Hängt doch neben das Kreuz noch eine Mondsichel

Langsam beginnt die Farce um den “NSU-Prozess” vor dem Oberlandesgericht München Spaß zu machen. Vor allem wegen der Anträge, die von allen Seiten an das Gericht gestellt werden.

Den Antrag des Tages hat der Anwalt eines Nebenklägers gestellt. Das Kruzifix, das in jedem Gericht in Bayern rumhängt, solle doch bitte abgenommen werden, weil sich der Mandant in seiner Religionsfreiheit beeinflusst fühle.
In meiner Welt haben Anwalt und Mandant in der Sache Recht und die Kreuze in den Gerichtssälen gehörten aus guten Gründen abgehängt. Wobei ich an dieser Stelle darauf hinweisen muss, dass einer meiner Gründe meine Gottlosigkeit ist, und einer deren Gründe ein Gott zu viel ist.

Mit so einem Antrag macht man sich aber sicher keine Freunde, egal ob man überhaupt einen Gott hat oder auch nicht. Gerade jetzt, wo das vermehrte Marketing der Kirchen zu fruchten anfängt, Kanzlerin und Bundespräsident auf dem Kirchentag ungeniert missionieren und die Islamfeindlichkeit in der Bevölkerung spürbar zunimmt, kommt das nicht gut an beim deutschen Michel – und schon gar nicht in Bayern.

Das Kreuz muss also um des Friedens Willen hängen bleiben, wenn sich die Aufmerksamkeit nicht von der NSU auf die sich latent hassenden Religionen verschieben soll. Aber dann ist die Religionsfreiheit wieder beeinflusst. Denn wer sich eine Religion leistet, dem ist es untersagt, sich auf einen unabhängigen Standpunkt stellen.

Also schlage ich vor, neben das Kreuz noch ein Hilal zu hängen. Und auch einen Davidstern, Abbilder von Vishnu und Shiva und einen Buddha. Dann ist jedem Gott gedient, dann kann jeder glauben was er will, sogar dann, wenn die Beweise erdrückend sind.

Sollte ich aber einmal vor einem bayrischen Gericht landen, möchte ich für mich nur eins Anspruch nehmen; Egal ob Kreuz, Hilal oder Buddha, ich werde darauf bestehen, dass sie alle abgehangen werden.

Ich bin nämlich Atheist und glaube höchstens an die Säkularität des Staates.

Spaß anner Tanke

Ich habe keine Ahnung ob das folgende Video gescriptet ist, oder ob das ultracoole Pärchen im Film wirklich nur zufällig vor die versteckte Kamera geraten ist. Plötzlich im Fernsehen, mit der Aussicht auf einen Freitank wenn sie ein Ständchen bringen, legen die beiden auf karaokemäßig hohen Niveau los und rocken die Tanke.

Fazit: US-Amerikaner, wie man sie einfach nur lieb haben kann.

Via Herr Kaliban

Vorschläge für einen anderen Kapitalismus

Wäre Wolf Lotter ein Politiker, hätte er wohl viele Anhänger. Zum Glück ist er aber “nur” Journalist und Autor, was ihn unabhängig macht und zahlende! Leser bringt. So haben beide was davon. Er kann von seinen Texten leben und seine Leser werde schlauer. Angebot und Nachfrage treffen sich und schaffen Mehrwert auf beiden Seiten. Das ist Kapitalismus in seiner kleinsten Form und man sollte froh sein, dass es so ist. Vor dem Kapitalismus braucht keiner mehr Angst haben. Gerade auch wegen Wolf Lotter.

Seine Texte sind von einer wunderbaren Intellektualität, ökonomisch-realistischem Sachverstand und von Menschenkenntnis geprägt. Und sie sind politisch. Denn Lotter ist einer, der die kapitalistische Welt von außen betrachtet und im Inneren kennt. Sein Steckenpferd ist die Wirtschaft, was ihn beschäftigt sind neue Wege und was er darüber sagt hält seinen Lesern oft genug einen Spiegel vor, zeigt ihnen aber auch wie es besser ginge.

Wolf Lotter ist Mitbegründer der brand eins und schreibt dort die besten Leitartikel der Welt, wie zum Beispiel “Das System”, bei dem er den französische Historiker Fernand Braudel zitiert, für den der Kapitalismus “eine Summe von Kniffen, Verfahren, Gewohnheiten und Leistungen” ist. Lotter sagt dazu “Werkzeugkoffer” und zeichnet damit ein Bild, das den Kapitalismus leichter verständlich macht. Mit einem Werkzeugkoffer kann man arbeiten, der macht keinem Angst. Mit ihm kann man Handwerker werden und manchmal auch Unternehmer.

Lotters Fazit ist so einfach wie einleuchtend. Der Kapitalismus gehört nicht abgeschafft, sondern verändert. So wie der Häuslebauer die Macht hat selbst zu bestimmen, wie sein Eigenheim aussehen soll, und der damit auch unter Handwerkern mit seiner Nachfrage das Angebot bestimmt, so hat der Mensch im System die Macht, mit seinem Verhalten die Verhältnisse zu verändern. Wer  seine Chefs nicht mag und unter seinen Managern leidet, muss eben sein eigener Chef werden. Die große Herausforderung dabei ist, dass man das Werkzeug nicht nur selbst in die Hand nehmen muss, sondern auch noch wissen sollte, wie man es wo anwenden kann.

Wie das gehen könnte macht Wolf Lotter in beinahe jedem seiner Artikel klar. Auch auf der diesjährigen re:publika sprach er über diesen nicht neuen, aber anderen Kapitalismus. Der Titel ist gleich mit seinem im Herbst erscheinenden Buch:

Zivilkapitalismus. Wir sind die Wirtschaft.

Es lohnt sich ihm zuzuhören. Und zu schauen, wo der Werkzeugkoffer steht. Der Rest ist wohl, wie immer im Leben, nur eine Frage der Übung. Und das klingt doch gar nicht so schlecht.

Video: CC BY-SA 3.0 DE – www.re-publica.de - Wolf Lotter

www.wolf-lotter.de
www.brandeins.de

Wie damals beim Führer

“Sach ma, haste gestern die Zschäpe im Fernsehen gesehen? Die sah doch ganz adrett und freundlich aus, gar nicht wie so´n doofer Nazi!?”

 

“Ja ja, genau wie damals beim Führer…”

Über den 1. Mai, Karl Marx und die Utopie, nicht mehr arbeiten zu müssen

Heute ist der 1. Mai. Der Nachtwächter meint, es wäre der staatlich dafür vorgesehene Tag im Jahr, an dem das Proletariat gegen die Zustände in denen es lebt demonstrieren darf. Da hat er wohl nicht unrecht. Heute wird der Antikapitalismus zelebriert und die Kapitalisten selbst halten mal die Klappe. Es ist ja nur für einen Tag und irgendwann muss die Luft bei den abhängig Beschäftigten auch mal raus.

Andererseits müssen sich Herr und Frau Proletariat auch vergegenwärtigen, dass durch die Einführung maschineller Arbeit die Arbeitsteilung und somit auch ihr Wohlstand gestiegen ist. Ihre Arbeitsbedingungen haben sich während der Entwicklung der Industriegesellschaft enorm verbessert. Das ist die leuchtende Seite der Medaille.

Die Dunke Seite ist, dass Familie Proletariat kaum etwas von den Gewinnen aus ihrer Arbeit mit den Maschinen hat. Es gehört zur schlechten Tradition, dass die Arbeiter um ihre Ein- und Auskommen kämpfen müssen. Das Geld, dass die Arbeiter mit den Maschinen erwirtschaften bleibt woanders hängen, nämlich bei den Kapitalisten.

Die aber sind nicht unbedingt böse, wenn sie ihr Geld nehmen und in Produktionsmittel und Innovationen investieren. Gehen sie doch damit auch immer das Risiko ein, ihren Einsatz und oft genug auch ihre ganze Existenz zu verlieren. So schlimm trifft es einen entlassenen Arbeiter selten, jedenfalls nicht von heute auf morgen. Die existentielle Zerstörung eines Arbeiters zieht sich meistens über Jahre.
Was nicht funktioniert, noch nie funktioniert hat, ist der Ausgleich zwischen denen die investieren und denen die die Arbeit machen. Diese Erkenntnis hat bereits Karl Marx auf den Punkt gebracht als er feststellte, dass die Gewinne privatisiert und die Verluste sozialisiert werden. Das passiert ja seit einigen Jahren in perfekter Vollendung mit den ganzen Banken- und Staatsrettungen. Und welcher Proletarier weiß denn schon, dass es diese Erkenntnis bereist im 19. Jahrhundert gab?

Die Logik des Systems, nämlich das alles, was von Maschinen gemacht werden kann, eines Tages von Maschinen gemacht werden wird, weist den Weg zu einer Utopie, die keine mehr wäre, würde das gesellschaftliche Vorurteil ablegt, dass die menschliche Arbeit das Höchste für den Menschen wäre. Denn das Reich der Freiheit beginnt da, wo Arbeit aufhört (auch Karl Marx).

Deshalb sollte der 1. Mai nicht mehr der “Tag der Arbeit” oder “Kampftag der Arbeiterbewegung” sein, sondern “Tag der Zukunft der Arbeit”. Nicht blöde Demonstrationen, bei denen Leute was sagen die sonst keine Gelegenheit dazu haben und Leute nicht zuhören, die auch sonst nicht zuhören, bringen etwas, sondern die gemeinsame Suche nach den besten Lösungen für die nicht die eine oder andere Gruppe die Zeche bezahlt.

Denn soviel ist klar: Menschen brauchen eine Aufgabe, Beschäftigung und ein Einkommen. Alles was darüber hinaus geht, ist Verhandlungssache. Weil die Arbeitgeber dringend auf die Arbeitnehmer angewiesen sind. Und die Arbeitnehmer auf die Arbeitgeber. Wenn die Volkswirtschaftler das eines Tages erkannt haben, braucht es keine antikapitalistischen Demos mehr, sondern nur noch eine Strategie, wie die Utopie Wirklichkeit werden soll.

Ene, mene, muh und raus bist du

Wir haben es wohl geahnt. Die Farce um den NSU-Prozess vor dem OLG München geht weiter.

Aber so namhafte Medien wie bspw. RTL 2, Brigitte, Radio Lotte Weimar oder Hallo München werden dem professionellen Journalismus als vierte Gewalt bestimmt die Fahne halten. Dafür sind sie ja bekannt – im Gegensatz zur TAZ, FAZ, SZ und FR.

Wenn Tiere die Wahl haben zwischen Bio- und Genmais

dann sieht das womöglich so aus. 

S´müsste ma einer näher untersuchen.

Aber psst!

Nichts dem Onkel Monsanto erzählen.

Der wird sonst böse.

Der beste Beitrag zur Causa Hoeneß

Und schön auf den Text horchen, gell. ;o)

Die einzig Überlebende

Heute Mittag hat das Oberlandesgericht München bekannt gegeben, dass der Prozess gegen Beate Zschäpe wegen grotesken Dilletantismus und Taktlosigkeit um drei Wochen verschoben wird. Das Verfassungsgericht hat das Münchner Gericht dazu gezwungen. So viel, so aktuell.

Was mich wundert ist, warum die Zschäpe immer als “einzige Überlebende” der NSU dargestellt wird? Das klingt gerade so, als wäre nur sie bei einen selbstverschuldeten Verkehrsunfall mit 10 Toten nicht ums Leben gekommen.

If you have an apple and I have an apple…

Für mich der Spruch des Jahres, ach was, des Jahrzehnts!

“If you have an apple and I have an apple and we exchange these apples, then you and I will still each have one apple. But if you have an idea and I have an idea and we exchange these ideas, then each of us will have two ideas.” 
 
George Bernard Shaw

Gefunden bei der FU-Berlin via Fefe.